Sommer, Sonne, gute Laune? Nicht immer. Während wir die warmen Tage genießen, kann große Hitze für Körper und Psyche durchaus belastend sein.
Hohe Temperaturen können unseren Schlaf beeinträchtigen, uns erschöpfen und die Konzentration verringern. Gleichzeitig sinkt bei vielen Menschen die Stressresistenz. Wir reagieren schneller gereizt, fühlen uns unruhiger oder haben einfach weniger Energie. Was an einem normalen Tag gut gelingt, kann plötzlich anstrengend werden.
Wenn die Hitze auf ein belastetes System trifft
Aus systemischer Sicht betrachten wir Menschen immer im Zusammenhang mit ihrer Umwelt. Körper, Psyche, Beziehungen und Lebensbedingungen beeinflussen sich gegenseitig.
Die Hitze kommt deshalb nicht in ein „neutrales“ System. Wer ohnehin unter Zeitdruck steht, schlecht schläft oder hohe Erwartungen an sich selbst hat, verfügt möglicherweise über weniger Ressourcen, um mit einer zusätzlichen Belastung umzugehen.
Vielleicht kennen Sie das: Eine Kleinigkeit bringt Sie plötzlich auf die Palme – und im Nachhinein fragen Sie sich, warum Sie eigentlich so empfindlich reagiert haben.
Vielleicht war es gar nicht nur diese eine Kleinigkeit. Vielleicht war das „System“ einfach schon ziemlich voll.
Weniger müssen, mehr wahrnehmen
Gerade an heißen Tagen kann es hilfreich sein, die eigenen Ansprüche ein wenig herunterzuschrauben.
Nicht alles muss heute erledigt werden. Nicht jeder Termin muss stattfinden. Und nicht jede Pause muss erst verdient werden.
Die systemische Perspektive lädt dazu ein, neugierig auf die eigenen Bedürfnisse zu schauen:
Was brauche ich gerade? Mehr Ruhe? Weniger Termine? Schlaf? Rückzug? Bewegung – oder einfach einmal gar nichts?
Selbstfürsorge bedeutet dabei nicht, sich vor allem Unangenehmen zu schützen. Sie bedeutet, die eigenen Grenzen und Ressourcen ernst zu nehmen.
Vielleicht ist die Sommerhitze deshalb auch eine kleine Einladung, langsamer zu werden. Unser Körper erinnert uns daran, dass wir nicht immer funktionieren können und müssen.
Und manchmal beginnt genau dort etwas Wichtiges:
Nicht noch mehr leisten, sondern wieder besser wahrnehmen, was gerade wirklich gebraucht wird.
Dr. Dominique Schwarz, Heidelberg